Christoph Brüning, März 2009
Seit einiger Zeit arbeite ich an einem Gedicht, das sich mit den Ohmachts- und Wutgefühlen, die ich manchmal gegenüber Gesellschaft und Politik habe, beschäftigt und deren erste Zeilen ungefähr so gehen:
Und eines Tages steh' ich auf
und schlag euch einfach
alle tot.
Weil dann der Punkt gekommen ist
an dem ich euch schlicht nicht mehr
etragen kann.
Vielleicht reichen momentan bereits diese wenigen Zeilen. Ich habe mir recht früh beim Schreiben überlegt, dass dies vielleicht das erste Gedicht werden könnte, das ich nicht veröffentlichen werde, weil ich als Lehrer tätig bin und mir nicht Vorwürfe von Eltern oder Kollegen anhören möchte, die nicht weiter oder ein zweites Mal lesen würden. Die mir ohnehin aus diesen oder jenen Gründen gerne vor Augen halten wollten und jubelschreiend zu können glaubten, dass ich mit solchen Gedanken in mir in diesem Beruf nichts zu suchen habe.
Und dann habe ich gerade unfassbar? von Björn Grau gelesen und bin über mein unfertiges Gedicht gestolpert. Auch in meiner eigenen Schulzeit habe ich viel von dem erlebt, was er beschreibt und war auch selber hier und da der Gemobbte und auch der Mobbende, alles andere wäre Lüge.
"seid ihr alle da draußen so friedliche menschen? hattet ihr in eurer jugend nie identitätskrisen und das diffuse gefühl, ihr steht irgendwie gegen die eltern, lehrer, masse, gesellschaft, welt?" (Björn G.)
Und eines Tages steh' ich auf
und schlag dann doch niemanden
tot.
"ehrlich: ich hoffe ihr kennt diese emotionen. denn wer ausgrenzung, überforderung und ohnmacht plus konstruktive gegenstrategien kennt, kann hoffentlich denen ein vorbild sein, die noch nach gegenstrategien suchen." (Björn G.)
Denn wohin ich auch gehe
wohin ich schaue
wo auch immer ich bereits gewesen bin
hab' ich einfach schon zuviel Gewalt gesehen.

Die Wut in mir von Christoph Brüning steht unter einer Creative Commons Namensnennung 3.0 Deutschland Lizenz.